Er will nicht?

Erektionsstörungen - Das unterschlagene Thema


Das Schlimmste, was einem männlichen Wesen passieren kann, ist das plötzliche Nachlassen der Manneskraft. Erektionsprobleme zählen zu jenen Themen, über die Männer am liebsten kein Wort verlieren. Verfolgt man Gespräche an Stammtischen und im Freundeskreis, könnte man meinen, jeder sei immer und überall dazu in der Lage, seinen Mann zu stehen. Fehlleistungen kommen niemals vor – und wenn doch, dann bei Herrn X oder Z. Die Realität sieht freilich anders aus. Jeder zweite Mann kennt das Problem. Noch vor dem Eindringen erschlafft ganz unerwartet der Penis. Manchmal erigiert er jedoch auch überhaupt nicht. Was zu vielen Witzen Anlass gibt, wenn man selbst nicht davon betroffen ist, verliert seinen Unterhaltungswert, sobald man der Situation gegenübersteht. Nichts geht mehr – eine der schlimmsten Erfahrungen eines Mannes, denn schließlich beziehen viele männliche Wesen ihr Selbstwertgefühl über ihre sexuellen Leistungen. Wer über diese Schwierigkeiten im erotischen Bereich nicht spricht und sich nicht ratsuchend an Fachleute wendet, ist selten in der Lage, sie zu beheben – und so entsteht ein Teufelskreis aus Depressionen, Verlegenheit und neuerlichen „Hängern“, welche die Versagensängste immer mehr verstärken. Dabei ist es das Natürlichste der Welt, dass Männer nicht immer „können“. Es handelt sich schließlich bei sexuellen Aktivitäten auch nicht um Hochleistungssport. Das Wichtigste also, wenn Ihre Erektion ins Wanken kommt: Suchen Sie Hilfe. Sie sind nicht der Einzige, bei dem der Penis nicht so will, wie er sollte. Ärzte sind mit diesem Problem absolut vertraut und behandeln es wie alle anderen gesundheitlichen Beschwerden auch.

Erektionsprobleme können viele Ursachen haben, sowohl physische als auch psychische. Steht der Penis plötzlich nicht mehr, kann der auslösende Faktor eine bevorstehende Grippe sein. Auch ein übervoller Magen, zu viel Alkohol oder ein stressiger Tag können dazu führen, dass im Bett nichts mehr funktioniert. Passiert so etwas einmalig, sollte man es nicht anders behandeln als plötzliche Magen- oder Kopfschmerzen – am nächsten Tag ist alles wieder so, wie es sein sollte. Denn steigert man sich jetzt in Versagensängste hinein, denkt man, man könne vielleicht „nie“ mehr, nimmt das Unglück häufig erst seinen Lauf. Sich selbst erfüllende Prophezeiung nennt sich diese Dynamik. Lassen Sie sich von einer einmaligen Fehlleistung – wobei dieses Wort schon sehr negativ besetzt ist – nicht verrückt machen. Nehmen Sie sie hin wie die normalste Sache der Welt. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Nicht jede Frau bekommt bei jedem Geschlechtsakt einen Orgasmus. Deswegen versagt sie jedoch nicht und ist beim nächsten Mal trotzdem in der Lage, den Sex zu genießen. Klappt es trotz positiver Einstellung auch ein zweites und drittes Mal nicht mit der Erektion, verabschieden Sie sich bitte von dem Gedanken, ein Versager zu sein. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf Ihren Penis, da der physische und psychische Druck dann so groß wird, dass Sie praktisch gar keine Chance mehr haben, Zärtlichkeiten zu genießen und Ihr bestes Stück auf jeden Fall streiken wird. Meist liegt nämlich keine organische Krankheit vor, wenn Erektionsstörungen auftreten. Die Psyche ist jener Faktor, der die sexuelle Leistungsfähigkeit am häufigsten beeinträchtigt.


Was ist aber nun zu tun, wenn Erektionsstörungen einem das Leben verleiden? Ein Besuch beim Arzt wäre die beste Möglichkeit, um der Sache auf den Grund zu gehen. Scheuen Sie sich nicht davor, einem Mediziner von Ihren Problemen zu erzählen. Er hört diese nicht zum ersten Mal. Abzuklären, ob es sich um psychische oder physische Ursachen handelt, hilft Ihnen beim richtigen Umgang mit Ihren Beschwerden. Manchmal kann schon allein die Diagnose, an keiner organischen Erkrankung zu leiden, mithelfen, die Erektionsstörungen zu beseitigen. Die Angst, für immer zu „versagen“, wird dadurch vermindert. Man(n) erkennt, dass es sich um ein vorübergehendes Problem handelt, das durch eine positive Einstellung und weniger Druck in den Griff zu bekommen ist.

Reden Sie sich nicht ein, nicht mehr in der Lage zu sein, Ihre Partnerin zu befriedigen. Man muss nicht unbedingt in die Vagina eindringen, um eine Frau zur Ekstase zu bringen. Die Klitoris zu reizen, führt ebenso zum Erfolg – manche Mitglieder des weiblichen Geschlechts kommen überhaupt nur durch die Stimulation des Kitzlers zum Höhepunkt. Benützen Sie Ihre Finger und Ihre Zunge. Sehen Sie sich in einem Sexshop um. Dort gibt es allerlei, was Ihnen und Ihrer Partnerin Freude machen könnte. Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass ein Liebesspiel ohne Orgasmus nichts taugt. Und wieder der Rat: Setzen Sie sich nicht unter Druck! Wenn Sie erleben, wie Ihre Freundin unter Ihren Händen oder Ihrer Zunge dahinschmilzt, stellt sich vielleicht als Nebeneffekt auch wieder eine Erektion ein. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn dem nicht so ist. Geben Sie sich Zeit!

Überhaupt sollte man versuchen, den Stressfaktor, unbedingt „kommen zu müssen“, aus seinem Leben zu beseitigen. Gehen Sie die Sache einmal anders an, ändern Sie den Blickwinkel. Beschäftigen Sie sich mit sich selbst und Ihrem Körper. Versuchen Sie, ein wenig in sich hineinzuhören und sich zu spüren. Sind Sie der Meinung, ein Versager zu sein, weil Ihr Penis im Moment einen Durchhänger hat? Lösen Sie sich von solchen Gefühlen und nehmen Sie sich so an, wie Sie sind. Aggression, Bitterkeit und Versagensängste bringen Sie in einen Teufelskreis, dem Sie kaum mehr entfliehen können.
Probieren Sie eine positive Visualisierung. Selbst wenn Sie davon überzeugt sind, dass es sich bei solchen Übungen nur um dumme Spielereien handelt, geben Sie der Visualisierung eine Chance. Schaden kann sie bestimmt nicht. Legen Sie sich auf Ihr Bett oder setzen Sie sich bequem in einen Sessel. Entspannen Sie sich, lassen Sie den Alltagsstress und all die kleinen Nöte und Sorgen, die jeder mit sich herumschleppt, von sich abfallen. Atmen Sie tief ein und aus. Bringen Sie sich in einen Zustand der völligen Gelöstheit. Denken Sie an Ihre Freundin. Überlegen Sie, wie diese Sie wahrnimmt. Was sie an Ihnen schätzt. Lassen Sie die negativen Empfindungen beiseite. Denken Sie an die schönen Dinge, die Sie mit Ihrer Freundin schon erlebt haben. Den ersten Kuss, einen Urlaub am Strand, ein Essen beim Italiener um die Ecke, die erste Nacht, die Sie miteinander verbracht haben. Versuchen Sie, die Assoziationen zu erfühlen, die Erlebnisse vor Ihrem geistigen Auge zu sehen. Das Glücksgefühl zu spüren. Denken Sie an die kleinen Zärtlichkeitsgesten, die zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin stattfinden, an Nebensächlichkeiten, die wir normalerweise kaum beachten, an denen wir jedoch die Zuneigung und Liebe des anderen festmachen können. Haben Sie dieses Bild aufgebaut, die Visualisierung einer gefestigten Beziehung mit Ihrer Freundin, dann fragen Sie sich, ob Sex das Wichtigste in Ihrer Partnerschaft ist, oder ob es nicht noch andere Dinge gibt, die Ihre Beziehung ausmachen. Stellen Sie sich eine Liebesnacht mit Ihrer Freundin vor. Versuchen Sie, jedes Detail vor Ihrem inneren Auge zu sehen. Lassen Sie nur positive Erinnerungen zu und fegen sie alles Negative hinweg. Sie werden sehen, dass diese Übung, wenn sie häufiger durchgeführt wird, Ihnen dabei behilflich ist, den Geschlechtsakt etwas entspannter zu sehen und auch die Angst, zu versagen, nimmt. Nutzen Sie das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiungen, indem Sie positive Bilder in Ihrem Kopf entstehen lassen und sich selbst zugestehen, nicht perfekt zu sein – und nicht wie eine Maschine funktionieren zu müssen.

Verwandte Artikel