Abartigkeit

Der Begriff der Abartigkeit bezeichnet eine Abweichung von der Norm im Sinne einer Devianz. Hierunter fallen prinzipiell sämtliche sexuellen Orientierungen und Praktiken, die nicht von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt werden. Dabei besitzt der Ausdruck der Abartigkeit jedoch im Gegensatz zu dem neutralen Begriff der Abweichung eine eindeutig negativ wertende Tendenz. So gibt der Duden als direkte Synonyme für Abartigkeit die Ausdrücke Abnormität und Widernatürlichkeit an.
Dies bedeutet, dass als abartig gebrandmarkte Neigungen und Verhaltensweisen bereits als tendenziell pervers, im Sinne von "verdreht" bzw. "verkehrt" gelten. Sowohl die Begriffe der Abartigkeit als auch der Perversion werden umgangssprachlich im Sinne eines stark abweichenden oder gar tabuisierten Verhaltens verwendet. In der Rechtswissenschaft existiert sogar der Begriff einer "seelischen Abartigkeit" im Sinne einer schwerwiegenden seelischen Störung.
Dies bedeutet, dass der Ausdruck der Abartigkeit gerade im alltäglichen Gebrauch eine sehr subjektive Bezeichnung ist. Was genau als abartig bezeichnet wird, sagt somit oftmals mehr aus, über die jeweiligen Werte und Moralvorstellungen der Person, die diesen Ausdruck verwendet, als über die derart bezeichneten Tendenzen und Handlungen. So können insbesondere für konservative Personen schon Homosexualität und Oralverkehr abartig sein, während für eine andere Person auch Analverkehr eine vollkommen natürliche Angelegenheit ist.
Abartigkeit im Sinne des medizinischen Ausdrucks der Perversion bezeichnet stark abweichende Neigungen, die in der jeweiligen Gesellschaft als krankhaft gelten. Auch in diesem Bereich zeigt sich ein mit der Änderung der jeweils herrschenden Moralvorstellungen einhergehender Wandel. Während in der Vergangenheit auch bei uns bereits Onanie, Anal- und Oralverkehr sowie Homosexualität als pervers galten, wurden diese Begriffe längst von den entsprechenden Listen gestrichen.
Doch auch noch heute stehen dort neben eindeutig stark abartigen Praktiken wie Pädophilie (Verkehr mit Kindern), Zoophilie (Verkehr mit Tieren) und Nekrophilie (Verkehr mit Toten) stark diskussionswürdige Praktiken, wie Voyeurismus und Exhibitionismus sowie Fetischismus und Sadomasochismus. Hierbei wurde der Sadomasochismus, im Sinne einer auf gegenseitigen Einvernehmen begründeten sexuellen Praxis, in Dänemark und den USA mittlerweile aus den entsprechenden Listen entfernt.